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26. Januar 2026

Lifestyle auf Kosten der Allgemeinheit? Die MIT stellt klar: Teilzeit ja, aber mit Verantwortung

Der jüngste Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) zur Reform der Teilzeitregelungen hat bundesweit Schlagzeilen gemacht. Dabei ist es zu vielen Missverständnissen gekommen.

Medienberichte von „Lifestyle-Feindlichkeit“ bis hin zu angeblicher „Rolle rückwärts in die Steinzeit“ zeichnen ein verzerrtes Bild. Dieses Bild hat mit der wirtschaftlichen Realität im Land und insbesondere in der Region Lüneburg wenig zu tun.

Worum geht es wirklich?

Die MIT fordert eine sachgerechte Reform der Brückenteilzeit. Der Anspruch auf Brückenzeit ist aktuell nicht an das Vorliegen bestimmter Gründe (zum Beispiel Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen) gebunden. Eine Begründung des Teilzeitwunsches ist daher nicht erforderlich. Der Rückkehranspruch in Vollzeit soll künftig an objektiv nachvollziehbare Gründe gebunden sein. Dazu zählen beispielsweise Kindererziehung, Pflege von Angehörigen oder berufliche Weiterbildung. Diese Fokussierung auf Lebensphasen, in denen Menschen real eingeschränkt sind, soll die Balance im Arbeitsmarkt wiederherstellen. Der Rückkehranspruch war nie als dauerhaftes Modell gedacht, sondern als Übergangslösung.

Teilzeitquote auf hohem Niveau – aber auch Symptom struktureller Defizite

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Teilzeitquote im Jahr 2023 bei rund 31 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Aktuelle Quartalszahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) verzeichnen für 2025 sogar einen Rekordwert von 40,1 Prozent. Frauen sind dabei besonders betroffen: Rund 49 Prozent der erwerbstätigen Frauen arbeiteten im Jahr 2024 in Teilzeit, bei Männern waren es etwa 12 Prozent. Für viele ist das eine bewusste Entscheidung. Für andere ist es eine Folge struktureller Hürden. „Wir dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass viele Eltern, insbesondere Frauen, gerne mehr arbeiten würden, wenn die Rahmenbedingungen es zuließen“, erklärt Patrick Pietruck, Vorsitzender der MIT Lüneburg. „Deshalb sagen wir: Wer mehr arbeiten will, soll das auch können.“ Dazu gehört aus Sicht der MIT ein deutlich verbesserter Ausbau flexibler Kinderbetreuung, insbesondere in Randzeiten, sowie eine gezielte Unterstützung pflegender Angehöriger.

Verantwortung statt Fehlanreize im Sozialstaat

Gleichzeitig gilt: Die Kombination von freiwilliger Teilzeit und dem gleichzeitigen Bezug aufstockender Sozialleistungen darf nicht zur neuen Normalität werden. Die MIT fordert, dass die Solidargemeinschaft nur dann einspringt, wenn Menschen objektiv nicht mehr arbeiten können. Wer sich bewusst gegen eine Vollzeitstelle entscheidet, kann nicht erwarten, dauerhaft auf staatliche Unterstützung zu bauen. „Unser Sozialstaat basiert auf dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung“, so Pietruck. „Wer arbeiten kann, soll das auch tun. Das ist kein Rückschritt, sondern Ausdruck ökonomischer Vernunft.“

Eigenverantwortung ermöglichen, strukturelle Barrieren abbauen

Die MIT will niemanden bevormunden. Sie will befähigen. Jeder Mensch darf selbstverständlich selbst entscheiden, wie viel er oder sie arbeiten möchte. Aber individuelle Entscheidungen dürfen nicht auf Kosten der Allgemeinheit gehen. Wer sich für Teilzeit entscheidet, darf daraus keinen gesetzlichen Rückkehranspruch oder dauerhaften Finanzanspruch ableiten. Gleichzeitig ist die Politik in der Pflicht, die Voraussetzungen für mehr Vollzeitarbeit zu schaffen. Dazu braucht es flexible Betreuungsangebote, weniger Bürokratie und eine moderne Arbeitsmarktpolitik.

Fazit: Teilzeit ja, aber mit Augenmaß und wirtschaftlicher Vernunft

Die MIT setzt sich für ein modernes, chancengerechtes Arbeitsrecht ein, das individuelle Flexibilität zulässt, aber auch die Interessen der Allgemeinheit schützt. In Zeiten massiven Fachkräftemangels und steigender Sozialkosten braucht es klare Regeln, ehrliche Debatten und wirtschaftspolitischen Realitätssinn.

Kontakt

Patrick Pietruck, Vorsitzender MIT Lüneburg

Stadtkoppel 16, 21337 Lüneburg

Tel: 04131 51166

E-Mail: pietruck@mit-lueneburg.de

Über die MIT Lüneburg

Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) ist mit rund 25.000 Mitgliedern der größte parteipolitische Wirtschaftsverband in Deutschland und setzt sich für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und wirtschaftliche Vernunft in der Politik ein. Der MIT-Kreisverband Lüneburg ist mit knapp 150 Mitgliedern der größte Verband in Nordost-Niedersachsen und vereint Geschäftsführer und leitende Angestellte regionaler Unternehmen.

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