Der Abbau von 190 Industriearbeitsplätzen bei Jungheinrich ist ein weiterer schwerwiegender Einschnitt für die wirtschaftliche Substanz Lüneburgs. Dass Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch den Erhalt von 140 Büroarbeitsplätzen öffentlich als „gute Nachricht“ verkauft, stößt bei der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Lüneburg auf deutliche Kritik.
„Diese Stellen waren laut Aussagen aus dem Unternehmen nie ernsthaft gefährdet. Wer sie jetzt als politischen Verhandlungserfolg darstellt, verkennt die Dimension des tatsächlichen Arbeitsplatzabbaus“, so MIT-Kreisvorsitzender Patrick Pietruck. „Es geht nicht um Symbolpolitik. Es geht um den Verlust industrieller Strukturen in unserer Stadt.“
Über 500 Industriearbeitsplätze in kurzer Zeit verloren
Nach Panasonic, dem Eisenwerk (Focast) und Yanfeng ist Jungheinrich bereits das vierte Unternehmen, das in jüngster Zeit industrielle Arbeitsplätze in Lüneburg abbaut. In Summe sind so innerhalb weniger Monate über 500 Stellen im industriellen Bereich verloren gegangen. Die Folgen für Beschäftigte, Ausbildungsplätze und regionale Wertschöpfung sind erheblich.
Stadtspitze bleibt Antwort schuldig
Dass dieser massive Strukturwandel bislang kaum öffentlich eingeordnet wird, wirft Fragen auf. Die MIT fordert Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch auf, endlich offen darzulegen, wie sie dem fortschreitenden Verlust industrieller Arbeitsplätze begegnen will.
„Lüneburg braucht keine Beruhigungsfloskeln. Es braucht eine klare industriepolitische Strategie. Die Frage, wie der Verlust dieser Arbeitsplätze gestoppt und bestenfalls umgekehrt werden kann, liegt auf dem Tisch“, so Pietruck.
In der letzten Ratssitzung hatte die CDU-Fraktion eine Resolution eingebracht, die den Erhalt von Industriearbeitsplätzen in den Fokus rückte. Oberbürgermeisterin Kalisch lehnte diese ab.
MIT fordert industriepolitische Klarheit
Die MIT Lüneburg fordert, dass wirtschaftspolitische Belange in der Stadt deutlich stärker priorisiert werden. Dazu gehört, dass Maßnahmen erarbeitet werden, um bestehende Unternehmen am Standort zu halten und neue Betriebe gezielt anzusiedeln.
„Lüneburg darf kein weißer Fleck auf der industriellen Landkarte werden. Wir erwarten von der Oberbürgermeisterin ein Konzept. Und ein klares Bekenntnis zur industriellen Zukunft unserer Stadt“, so Pietruck.